Ausgabe 3 - Januar 2009
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Publishing im Jahr 2009: Sind Sie bereit für die Herausforderung?
von Stéphane Malagnac
Wenn Sie Ihr Geschäftsmodell neu durchdenken wollen, kann die Investition in dynamisches Publishing zu Ihrem klügsten Schachzug in diesem Jahr werden.
Für Führungskräfte gibt es wohl keinen besseren Anlass als eine bevorstehende Rezession, um ihre Strategien neu zu durchdenken und mit ein paar wenigen intelligenten Investitionen einen Schritt nach vorn zu gehen. Vor diesem Hintergrund wird das dynamische Publishing zunehmend als eine der effektivsten Antworten auf die redaktionellen Herausforderungen von heute betrachtet.
Lineare Publishing-Workflows gehören der Vergangenheit an. Wir haben mit Herausgebern und Experten aus dem Verlags- und Corporate-Publishing-Bereich gesprochen, um mehr über ihre Anforderungen und Strategien zu erfahren und um die Vorteile zu bewerten, die sie sich von künftigen Veränderungen erhoffen. Es ist interessant, dass es scheinbar einen allgemeinen Konsens zum Begriff des Dynamic Publishing gibt. Dieser wird definiert als die automatisierte Erstellung von maßgeschneiderten Dokumenten mit grafikintensiven Layouts für verschiedene Ausgabemedien, darunter Print- und Webmedien sowie das Internet und mobile und elektronische Geräte.
Tatsächlich ist es wohl so, dass in der Branche der Zeitungs- und Zeitschriftenverlage, die bisher eher vorsichtig mit Investitionen in ihr IT-System umgegangen sind, eine zuvor nicht prognostizierte Wahrnehmungsänderung eingetreten ist. Es scheint sogar die allgemeine Meinung vorzuherrschen, dass die Investition in einen rationalisierten Publishing-Prozess und eine verbesserte Informationsqualität der beste – wenn nicht sogar der einzige – Weg ist, die aktuelle Konjunkturschwäche unbeschadet zu überstehen.
Die Roularta Media Group, mit 700 Mio. Euro Umsatz im Jahr 2008 eines der Schwergewichte in der belgischen Druck- und Verlagsbranche, ist ein perfektes Beispiel für diese Entwicklung. Die Gruppe ist Herausgeber von 98 Zeitschriften und 70 kostenlosen Lokalzeitungen in Belgien und Frankreich. Darüber hinaus verwaltet Roularta 143 Websites und ist durch ein Joint Venture mit De Persgroep auch in der Radio- und Fernsehbranche vertreten. Seit nunmehr zwei Jahren arbeiten die IT-Mitarbeiter von Roularta an einem ehrgeizigen Projekt mit dem Namen „Newsroom”. Ziel des Projekts ist es, allen Redaktionsteams innerhalb der Gruppe unternehmensweit den Austausch von Informationen und Assets, einschließlich von Artikeln, Fotos und Videos, zu ermöglichen.
„Jede unserer Publikationen verfügt über ihre eigenen Produktionswerkzeuge für den redaktionellen Workflow”, erklärt Erwin Danis, Premedia Director bei Roularta. „Wir wollen jetzt ein größeres System über der bestehenden Infrastruktur implementieren, mit dem jeder Reporter in Echtzeit Informationen darüber erhält, woran die anderen Nachrichtenteams der Gruppe im Moment arbeiten, und über das er mit ihnen Informationen austauschen kann.”
Außerdem sollen die Journalisten am Ende die Möglichkeit haben, in den Archiven aller Publikationen der Gruppe zu suchen. Mit anderen Worten: Newsroom soll Roularta dabei helfen, den Informationsbestand optimal zu nutzen und somit den Gewinn erheblich zu steigern. Das Projekt befindet sich noch in einer frühen Phase, und es wurde noch keine Technologie für das Basisnetz des Projekts ausgewählt. Die IT-Mitarbeiter stehen jedoch mit verschiedenen Anbietern in Kontakt und gehen davon aus, dass sie Ende 2009 mit der richtigen Technologie und einem funktionierenden System durchstarten können.
Anpassung an neue Muster der Nachrichtenübertragung
Doch ist jetzt wirklich der richtige Zeitpunkt, solch eine Investition zu tätigen?
„Die aktuelle Wirtschaftslage hat uns natürlich gezwungen, den Gürtel im Hinblick auf weltweite Investitionen enger zu schnallen – wir haben jedoch die strategische Entscheidung getroffen, unser Budget für das Newsroom-Projekt nicht zu kürzen”, sagt Danis. „Dieses Projekt gibt uns die Möglichkeit, für das Internet und andere Kanäle neue, innovative Produkte zu entwickeln – schneller und effizienter als wir das heute können. Außerdem werden die Kosten für das Erstellen und Produzieren unserer Publikationen erheblich reduziert. Es müssen weniger Nachrichtenteams zu einem bestimmten Event geschickt werden, und unser Informationsfluss wird optimiert. Mit einem derartigen Tool können wir uns auf rentable Weise an die Nachrichtenformate von heute anpassen. Auf lange Sicht ist dies die einzige Chance, als Unternehmen zu überleben.”
Für Andreas Pfeiffer, einen der einflussreichsten Berater der Publishing-Industrie in Europa, ist Roulartas
Situation ein überaus gutes Fallbeispiel für die Probleme, mit denen die meisten Verlage derzeit konfrontiert
sind.
„Die Leserschaft der Nachrichtenmedien ist in den letzten Jahren immer anspruchsvoller geworden, so dass eine Optimierung der Informationsverarbeitung unumgänglich ist”, erklärt Pfeiffer. „Die Herausforderung für die Herausgeber von Nachrichten besteht darin, innovative Wege der Informationsbereitstellung zu entwickeln und neuartige Publikationsformate auf kosteneffiziente Weise auszuprobieren. In diesem Fall ist Flexibilität der Schlüssel zum Erfolg.”
Die geeignete Interaktion zwischen den Printpublikationen, Websites und Fernsehprojekten eines Medienkonzerns ist tatsächlich von entscheidender Bedeutung. Daher registriert Andreas Pfeiffer ein steigendes Interesse für Dynamic-Publishing-Systeme und -Lösungen, welche einer Branche, die zunehmend erkennt, dass eine technische Überholung lange überfällig ist, echte Cross-Media-Strategien ermöglichen.
„Verlage haben in den vergangenen zehn Jahren immer mehr Technologien übereinander geschichtet, um Publikationskanäle (Internet, Mobilgeräte usw.) mit eingeschränkter Interoperabilität bedienen zu können”, sagt Pfeiffer. „Dieses Modell wird sich auf lange Sicht jedoch als nicht nachhaltig erweisen.”
Der Wechsel von individuellen Systemen für Print-, Web- und mobile Inhalte hin zu einer vollständig integrierten medienübergreifenden Publishinglösung, die alle aktuellen und zukünftigen Kanäle (gespeist von einer zentralen Inhaltsquelle) verwalten kann, scheint für Verlage, die ihre redaktionellen Assets auf effiziente Weise nutzen wollen, die beste Option zu sein.
Corporate Publishing auf dem Vormarsch
Im Vergleich zu Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen, bei denen redaktionelle Workflowsysteme bereits seit mehreren Jahren zum Einsatz kommen, wird im Bereich des Corporate Publishing gerade erst damit begonnen, dynamisches Publizieren zur Optimierung des Dokumentenflusses einzusetzen. Der französische Systemintegrator Stepnet Ingénierie (3 Mio. Euro Umsatz im Jahr 2008) konnte in den letzten eineinhalb Jahren ein steigendes Interesse an Systemen für dynamisches Publishing beobachten.
„Unternehmen sind auf der Suche nach Möglichkeiten, die Zusammenarbeit mit externen Anbietern (Werbe- und
Internetagenturen, freiberuflichen Künstlern und Druckereien) mithilfe eines client-/serverbasierten Werkzeugs
effizienter zu gestalten”, erklärt Jean-Paul Rigal, Geschäftsführer von Stepnet. „So wollen
sie Zeit sparen und Fehler im Publishingprozess vermeiden. Außerdem möchten sie die Kommunikation mit ihren
Händlern und Kunden optimieren, indem sie noch überzeugendere und besser lokalisierte Publikationen herausgeben.
Gleichzeitig soll der Publikationsprozess beschleunigt werden – und natürlich steht die Reduzierung der Kosten
weiter im Mittelpunkt.”
Laut Rigal haben viele Unternehmen erkannt, welche Vorteile dynamisches Publizieren ihnen bieten kann und sind bereits dabei, ihre Strategien neu zu durchdenken. Auf die Frage, ob die aktuelle Konjunkturflaute Auswirkungen auf diesen aufstrebenden Geschäftszweig haben wird, gibt sich Rigal unbesorgt:
„Im Gegenteil: Die Krise wird den Markt anregen. Mit einem Dynamic-Publishing-System kann ein Unternehmen seinen Publikationsprozess in der Regel optimieren und dabei das Gesamtbudget um 10 bis 30 Prozent reduzieren. Die Investition macht sich schon nach weniger als drei Jahren bezahlt, so dass viele Unternehmen gewillt sind, diesen Schritt zu tun.”
Zu den Unternehmenskunden von Stepnet für dynamisches Publishing zählen heute Lafarge, Cardiff und Crédit Agricole.
„So wie sich der Markt entwickelt, wird sich die Liste unserer Referenzen in einem Jahr um 20 vergrößert haben”, kündigt Rigal an.
Die Auswahl der richtigen Technologie
Obwohl Medienkonzerne und Corporate Publisher ihre Herausforderungen möglicherweise schon analysiert und damit begonnen haben, ihre Dynamic-Publishing-Strategien zu definieren, stellt die Auswahl der richtigen Produkte und Lösungen noch immer ein Problem dar. Viele Unternehmen befürchten, dass die bereits verfügbaren Produkte, die serienmäßig für redaktionelle Prozesse und Publishingworkflows produziert werden, ihre spezifischen Anforderungen nicht erfüllen können. Außerdem sind sie besorgt, dass sie durch eine proprietäre Technologie eingeschränkt sein könnten.
„Man muss den Gedanken akzeptieren, dass eine Werbeagentur oder ein Druckunternehmen nur eine Station in einem Produktionsprozess sind, innerhalb dessen jeder auf Standards basierend arbeiten und die Interaktivität zwischen den Systemen auf diese Weise vorantreiben muss”, so Frank Beinhold, Geschäftsführer von Serviceplan, der größten kombinierten Werbe- und Druckagentur Deutschlands (130 Mio. Euro Umsatz im Jahr 2008). „Wir achten bei jeder Investition darauf, dass sich die von uns ausgewählten Produkte mit Standardformaten und innovativen Technologien wie beispielsweise XML, SOA, Java oder PDF miteinander verknüpfen lassen.”
In einem Kontext, in dem sich Systeme schnell weiterentwickeln und mit neu entstehenden Publikationskanälen und Organisationsmodellen zurechtkommen müssen, suchen IT-Manager zunehmend nach Produktangeboten von Herstellern, die sich eindeutig offenen Standards verschrieben haben. Mit derartigen Produkten können Unternehmen ein System aufbauen, das ihren Anforderungen gerecht wird, mit Modulen von Drittanbietern zusammen funktioniert und mit den Systemen interagiert, die sie als Teil einer Gesamtlösung behalten wollen.
Nur mit der richtigen Auswahl von Technologien können sich die Verlage von morgen alle Vorteile sichern, die Dynamic Publishing zu bieten hat.
